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Gwatt-Tagung der Landi der Region Mittelland
11.01.2012 - (lid) - Rund 230 LANDI-Präsidenten, LANDI-Vorstandsmitglieder und LANDI-Geschäftsführer aus der Region Mittelland trafen sich im Gwattzentrum am Thunersee zu einer zweitägigen Arbeitstagung. In Werkstattgesprächen wurde dabei gemeinsam mit Vertretern des fenaco-Stammhauses die aktuelle Marktsituation, Herausforderungen und Chancen für die Weiterentwicklung der gesamten fenaco-LANDI Gruppe diskutiert.
Gestartet wurde die Tagung mit einem Podiumsgespräch, geleitet von LID-Geschäftsführer Markus Rediger. Thematisiert wurden dabei die Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft, die sich aus der Agrarpolitik und den nationalen wie auch globalen Agrarmärkten ergeben. Der Vizedirektor des Bundesamtes für Landwirtschaft, Christian Hofer, erklärte, dass der bisherige Grenzschutz für landwirtschaftliche Rohprodukte aufrechterhalten werden soll, ebenso wie der Ernährungs-Selbstversorgungsgrad der Schweizer Bevölkerung, welcher zurzeit bei 55 Prozent liegt. Die Schweizer Bevölkerung wächst und wird bald einmal rund 8 Millionen Menschen ausmachen, zugleich vermindert sich stetig der Anteil am landwirtschaftlichen Kulturland. Ausgehend davon und den gesellschaftlichen Forderungen nach Biodiversität, Tierwohl und Umweltschutz ist es nicht selbstverständlich den Selbstversorgungsgrad bei 55 Prozent zu halten. Das BLW versucht dies im Rahmen des Agrarpakets 2014-2017. Wichtigster Teil dieses Agrarpaketes sind die Direktzahlungen. Über die genaue Ausgestaltung dieser entscheidet der Bundesrat Ende Januar.
Der Geschäftleitungsvorsitzende der fenaco, Willy Gehriger, ergänzte die nationale Sicht mit Erkenntnissen aus dem globalen Agrarhandel. Angesichts des Bevölkerungswachstums werden die Hungerkrisen weltweit eine Herausforderung bleiben. Eindringlich warnte Gehriger vor Börsenspekulationen mit Agrarrohstoffen. Ausgerechnet in diesem Bereich des Rohstoffhandels fehle ein ausgewogenes Regelwerk. Die Industrienationen müssten unbedingt, den Zutritt für diese Börsengeschäfte auf reale Agrarakteure beschränken, zudem seien finanzielle Garantien zu hinterlegen. "Agrarrohstoffe dürften nicht in derivativen Produkten eingebaut werden“, sagte Gehriger.
Agrarrohstoffe, wie zum Beispiel Weizen, produzieren die Getreidebauern, die an der Gwatt-Tagung mit dem Präsidenten des Schweizerischen Getreideproduzentenverbandes (SGPV), Fritz Glauser, vertreten waren. Der SGPV anvisiert im Sinne einer Vision 2025 den Selbstversorgungsgrad beim Brot auf 90 Prozent halten zu können (heute bei 82 Prozent) und dies auf einer Weizenanbaufläche von mindestens 85’000 Hektaren mit einem Produktionsumfang von 490'000 Tonnen. Dazu brauche es einen wirksamen Grenzschutz, kostendeckende Produktpreise, ein gerechter Arbeitsverdienst, aber auch eine Vereinfachung der Administration. Die Qualität von Schweizer Landwirtschaftsprodukten soll anerkannt und honoriert werden.
Ob eine solche Vision realisierbar sein wird, griff der Leiter des Departements Wirtschaft und Politik des schweizerischen Bauernverbandes auf. Ausgehend von zwei Szenarien, einerseits der Marktöffnung, andererseits Stärkung der Inlandproduktion müssen die Bauern die Wettbewerbsfähigkeit der Landwirtschaftsbetriebe verbessern, sagte er. Generell finde der schweizerische Bauernverband, dass der Bund im Rahmen der immer weiter gehenden Marktöffnungen vermehrt auch agrarpolitisch hätte eingreifen können, beispielsweise mit der Einführung einer erleichterten Allgemeinverbindlichkeit. Wenn immer eine Branche sich einig sei und gemeinsame Beschlüsse fasse, würden diese für allgemeinverbindlich erklärt. So funktioniere es nämlich in Frankreich. So oder so – der Bauernverband setzt auf das Konzept der Ernährungssouveränität.
Daniela Clemenz
