agrigate.ch ::

afcontent

Kartoffeln

Für eine optimale Lagerung sind verschiedene Punkte zu beachten.
© AGRIDEA

Vorlagerung

Frisch geerntete Knollen 3 bis 4 Wochen bei ca. 15 °C frisch und luftig vorlagern, um die Verkorkung zu fördern.

Lagerungsarten

Lose Lagerung

Unregelmässige Stapel vermeiden.

  • Speise- und Industriekartoffeln
    Lose Lagerung: ohne Gebläsebelüftung max. 2 m Höhe, mit Gebläsebelüftung max. 3.50 m Höhe. In höherem Stapel sind Druckschäden möglich. In Harassen: keine Höhenbegrenzung.
  • Saatkartoffeln
    Mit Gebläsebelüftung: max. 4 m Höhe, ohne Gebläsebelüftung: max. 2 m Höhe.
  • Futterkartoffeln
    Mit Gebläsebelüftung: max. 6 - 7 m Stapelhöhe. Vorsicht bei fäuleanfälligen, feuchten oder schmutzigen Knollen.
Lagerung in Harassen oder in Paloxen

Ideale Lagerungsmethode. Für längere Lagerungsdauer geeignet.

Lagerung im Sack

Ausnahmsweise und nur während kurzer Zeit (Ausnahme: Saatkartoffeln können längerfristig in Säcken gelagert werden.)

Temperatur

Ständige Temperaturkontrolle im Stapelinneren mit Thermometer.

  • Industriekartoffeln
    8 bis 10 °C. Vorsicht bei tieferen Temperaturen -> Bildung von reduzierenden Zuckern (verursachen dunkle Färbung beim Backen im heissen Öl -> schlechter Backtest).
  • Saat- und Futterkartoffeln
    2 bis 4 °C. Keimruhe bleibt in diesem Bereich erhalten.
  • Speisekartoffeln
    4 °C. Vorsicht bei tieferen Temperaturen Frisch geerntete Knollen 3 bis 4 Wochen bei ca. 15 °C frisch und luftig vorlagern, um die Verkorkung zu fördern. -> Knollen bilden Zucker und erhalten süsslichen Geschmack.
  • 6 bis 8 °C, falls die Knollen mit Keimhemmer behandelt worden sind.

Belüftung

  • Sofort nach der Ernte: starke Belüftung, damit Knollen rasch abtrocknen.
  • Abkühlung und Lagerung: So wenig belüften als notwendig, um die Temperatur auf das gewünschte Mass zu bringen. Falls nötig, mit feuchter Morgenluft belüften.
  • Auf gleichmässige Belüftung im ganzen Stapel achten. Unregelmässige Stapel vermeiden.
  • Nie vertikale, sondern immer horizontale Kamine anlegen.
  • Schlechte Belüftung kann grosse Trockensubstanzverluste verursachen (unter normalen Verhältnissen: 0,5 bis 1 % Verlust pro Monat).
  • Gelagerte Kartoffeln bilden Wärme: Eine regelmässige Belüftung, mit einer strengen Kontrolle der Stapeltemperatur ist daher notwendig.
  • Räuchermittel benützen, um Wirkung der Belüftung zu prüfen.

Luftfeuchtigkeit

optimale relative Luftfeuchtigkeit: 90 bis 95 %

Bei zu trockener Luft:

  • Dehydrierung der Knollen
  • Eisenflecken
  • mehr Druckschäden
  • Gewichtsverluste

Gewichtsschwund

3 Phasen mit Gewichtsschwund während der Lagerung:

  • 2 bis 3 Wochen nach Ernte, Verluste durch Atmung:
    bis 3 - 4 %, falls Kartoffeln bei der Ernte reif sind
    bis 7 - 8 %, falls Kartoffeln bei der Ernte unreif sind
  • danach:
    konstanter Verlust von ca. 1 % pro Monat
  • im Frühjahr:
    Verluste durch Auskeimen

Natürliche Keimruhe

Faktoren, die

die Keimruhe verlängern:
  • später Pflanztermin
  • kühle und feuchte Vegetationsperiode
  • Anbau in höheren Lagen
die Keimruhe verkürzen:
  • früher Pflanztermin
  • warme und trockene Vegetationsperiode
  • Anbau in tiefen Lagen
  • Für kurze Lagerung (bis Dezember):
    Keine Keimhemmungsmittel anwenden. Natürlich Keimruhe ausnützen (mittelspäte bis späte Sorten). Optimale Temperatur von 4 °C mit Belüftung erreichen.
  • Für lange Lagerung (bis Frühjahr):
    Gut isolierter Lagerraum mit verstärkter Belüftung benützen.

Anwendung von Keimhemmungsmitteln

Informationen zum Biolandbau

Im biologischen Anbau sind chemisch-synthetische Keimhemmungsmittel verboten.

Die Lagerung der Sorten Agria, Granola, Désirée, Charlotte und Panda ohne Keimhemmungsmittel ist dank ihrer ausgeprägten Keimruhe weniger problematisch.
Ausnahme: Bei Biokartoffeln ist das Keimhemmungsmittel Talent (Kümmelöl) zugelassen.

Bemerkung: Wirkt nur in geschlossenen, dichten Lagerräumen.

Nur Speisekartoffeln und Verarbeitungskartoffeln behandeln, nicht Saatkartoffeln!

  • Behandlung 3 bis 6 Wochen nach der Ernte. Auf empfindlichen Sorten und auf nicht schalenfesten oder frisch geernteten Knollen können Schalenverätzungen entstehen. Die Verkorkung wird erschwert und somit die Krankheitsanfälligkeit der Knollen erhöht.
  • Nur abgetrocknete, gesunde und wenn möglich saubere Knollen behandeln.
Verfahren
  • Pulver
    Einfache Methode, aber mit hohen Mittelrückständen.
    Regelmässige Verteilung ist sehr wichtig, um eine Überdosierung und Überschreitung der tolerierten Rückstandsgrenze zu vermeiden. Eine genaue manuelle Verteilung ist befriedigend. Die Ausbringung auf dem Förderband erlaubt keine gute Verteilung.
Hinweis: 4 Wochen Wartefrist vor Marktlieferung oder Verfütterung
  • Vernebelung
    Nur in Räumen mit Gebläsebelüftung und einwandfreier Innenluftumwälzung anwenden.
    Die Kondensation des Nebels verursacht hohe Mittelkonzentrationen auf den Knollen, daher muss die Nebeltemperatur derjenigen des Kartoffelhaufens entsprechen.
    Nebel in den Innenluftstrom einbringen, so dass er das gesamte Lagergut in ausgeglichener Konzentration erreicht.
    Nötige Wirkstoffmenge in 2 bis 3 Behandlungen aufteilen.
    Während 48 Stunden nach Vernebelung nicht belüften.
Hinweis: 4 Wochen Wartefrist vor Marktlieferung oder Verfütterung
  • Spritzung
    Methode mit geringen Mittelrückständen, wird in der Veredelungsindustrie gebraucht.
    Einfache Benützung mit einer Spritzpistole.
Hinweis: 4 Wochen Wartefrist vor Marktlieferung oder Verfütterung

Keimhemmungsmittel

Wirkstoffname
Typ
Handelsprodukt
Firma
Giftklasse
Aufwandmenge
pro Tonne
CIPC
Pulver
Keimhemmer 1000
Sintagro
frei
1 kg
Pulver
Keimhemmer 500
Sintagro
frei
2 kg
Pulver
Keimstop 0,5 %
Sintagro
frei
2 kg
flüssig
Gro-Stop Basis*
Omya
5S
30 - 60 ml
flüssig
Gro-Stop HN*
Omya
4
20 - 60 ml
Pulver
VP-Pulver
Omya
frei
2 kg
Pulver
KM 72
Intertoresa
frei
2 kg
Pulver
Retenox-C
Siegfried
frei
2 kg
Pulver
Neo-Stop 1 %
fenaco, Sintagro
frei
1 kg
flüssig
Neo-Stop Starter*
fenaco
5
60 ml
Pulver
Neo Stop 5
Sintagro
frei
2 kg
flüssig
Neo Stop L 300*
Sintagro,
fenaco
4
20 - 60 ml
flüssig
VP-Flüssig
Omya
frei
1 Liter
flüssig
CIPC flüssig
Sintagro
Intertoresa
frei
1 Liter
d-Carvon
flüssig
Talent
Omya
4
50 - 100 ml

* Nur mit Spezialsprühgerät verwenden.

Geeignete Maske und Handschuhe bei der Behandlung mit Keimhemmungsmitteln tragen.

Keine Belüftung während einer Woche nach der Behandlung.
Nie Saatkartoffeln im gleichen Lagerraum wie keimhemmerbehandelte
Kartoffeln lagern. Rückstände in Paloxen gut auswaschen.
Rückstandskontrollen durch die kantonalen Laboratorien:
Grenzwert 5 ppm CIPC

Mehr zum Thema auf agrigate:
Fachteil

News

Werbung