Archiv Marktkommentare
Die Grenze hat Löcher
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Hans Rüssli | |
Kommentar in der Bauernzeitung vom 13. August 2010
Die Importe von nur oberflächlich mit ganzen Pfefferkörnern bestreuten Fleisch- stücken der Rindergattung hatten sich 2009 und im laufenden Jahr zu einer immer beliebteren aber legalen Umgehung der Zollgesetze entwickelt. Der Import von Würzfleisch unter der Zolltarifnummer 1602 5099 geht aber unverdrosssen weiter.
Als Reaktion auf Proteste von Bauern- und Kälbermästerverbänden wurden im Frühjahr die Importbestimmungen so geändert, dass seit 3. Mai 2010 nur Würzfleisch, welches mit gemahlenen, ins Fleisch eingedrungenen Gewürzen einge- rieben wurde, unter die günstige Zollposition 1602 5099 fällt. An der Beliebtheit dieser sogeannten Würzfleisch-Importe änderte das nichts. Bis 30. Juni betrugen diese Würzfleisch-Importe 815 t, das wäre fast soviel wie im ganzen Jahr 2009. Davon waren im Monat Juni 100 t gewürztes Fleisch der Rindergattung und 3t Würz-Kalbfleisch.
Unter anderem als Folge der Würzfleischimporte gerieten die Schweizer Bankkälberpreise im Frühjahr unter heftigen Preisdruck. Der Preis für T3-Kälber sank bis auf Fr. 11.70 je kg SG franko Schlachthof. Im Frühjahr stieg das inländische Kälber-Angebot der Saison entsprechend zeitweise an. So wurde im vergangenen April laut provisorischen Zahlen rund 5% mehr Kalbfleisch produziert als im gleichen Monat 2009. Zur Entlastung des Marktes wurden im April 246t Kalbfleisch eingelagert. Das ist relativ wenig, denn in den Jahren 2007 bis 2009 betrug die eingeforenen Menge Kalb 860 bis 690t. Das inländische Angebot sank später, denn im ersten Halbjahr 2010 fiel total 2,3% weniger Kalbfleisch an als im ersten Halbjahr 2009.
I der laufenden Kalenderwoche 32 steigt der Preis für Kälber T3 bei sinkendem Angebot und besserer Nachfrage um 40 Rp. auf Fr. 12.40 je kg SG. Damit kommt der spätsommerliche Preisanstieg etwas früher als 2009, denn in der gleichen Woche 2009 galten die T3-Kälber Fr. 11.80. Bis im Dezember werden die Kälberpreise weiter steigen, aber man muss leider damit rechnen, dass billige Würzfleisch-Importe die Kälberpreis-Höhenflüge ausbremsen.
Hans Rüssli, SBV
