Archiv Marktkommentare
Viel Heu- und Strohimporte
|
|
Hans Ruessli | |
Kommentar in der Bauernzeitung vom 10. Dezember 2010
Die Heuernte 2010 fiel in der Schweiz mengenmässig gut aus, qualitativ war sie aber mittelmässig. Ein mehrheitlich später erster Schnitt wirkte sich negativ auf die Energie- und Proteingehalte beim Heu aus. So beurteilten die Heuhändler die Marktsitiuation kürzlich an der Generalversammlung des SRV. Der Schweizerische Raufutterverband (SRV) hat den Richtpreis für Heu, lose ab Stock um 3 Fr. auf 23 Fr. je 100 kg lose ab Stock erhöht. Für belüftetes Heu wird je nach Qualität 5 bis 7 Fr. je 100 kg mehr bezahlt. Der SRV legte keinen Richtpreis für Belüftungsheu fest.
Die Nachfrage, erklärt Daniel Betschart von der Landi Nidwalden, sei schon während des vergangenen Sommers gut gewesen. Betschart handelt täglich Heu und Stroh in der Landi Nidwalden und ist zudem Vizepräsident des SRV. Die gute Nachfrage nach Heu hielt auch den Herbst über und Anfangs Winter an. In der Folge kletterten die Heuimporte von Januar bis Ende Oktober auf rund 126000 Tonnen (t), das ist schon fast soviel wie im gesamten Jahr 2009 (133000t). Betschart ist überzeugt, dass für 2010 ein neuer Heuimport-Rekord gebrochen wird.
Betschart sieht drei Gründe für den starken Anstieg der Importe. Erstens sind die Rindviehbestände mit zurzeit 704000 Kühen und 194000 jungen Kühen recht hoch und ihre Leistungen steigen stetig an. Zweitens sei das inländische Heuangebot nicht gross. Die zunehmenden Ökoflächen und extensiven Wiesen brächten geringere Erträge Ökoheu. Als Ersatz wird zunehmend Luzerneheu importiert. Dieses wurde billiger, denn erstens fiel der Importzoll für Heu von zwei Franken je 100 kg seit dem 1. November weg und zudem hat der günstige Eurokurs das Importheu generell verbilligt. Importierte Luzerne von guter Qualität kostet franko Hof geliefert 40 Fr. je 100 kg in ganzen Lastenzügen von 25 t Ladung. Je nach Entfernung und Zufahrt zum Hof kann dieser Preis höher ausfallen.
Während der Getreideernte ging auf den Feldern viel Stroh verloren wegen häufigen Unterbrüchen durch Regenfälle. Auch bei den Strohimporten ist ein neuer Importrekord in Sicht. Von Januar bis Ende Oktober wurden 282000 t Stroh importiert, das ist fast soviel wie während des ganzen Jahres 2010 (307000t). Weil mehr Tiere auf Einstreu gehalten werden, steigt der Strohbedarf ständig an. Der Richtpreise für Stroh, in Kleinballen, ab Hof, auf Wagen verladen, beträgt neu 18 Fr. je 100 kg. Für Stroh in Grossballen wird franko Hof 22 bis 24 Fr. je 100 kg verlangt, für Kleinballen franko Hof 29 bis 32 Fr. je 100 kg. Diese Preise gelten für den Kauf von ganzen Lastenzügen.
Hans Rüssli, SBV
