Archiv Marktkommentare
Vorsichtiger Optimismus
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Jean-Claude Maillard | |
Kommentar in der Bauernzeitung vom 3. September 2010
Der Verwaltungsrat hatte vor einer Woche seine 200. Sitzung. Die Branchen-Organisation für Schweizer Fleisch meisterte in den letzten 10 Jahren schwierige Zeiten wie die 2. BSE-Krise im Jahr 2002 mit tiefen Rindviehpreisen und Einbruch beim Rindfleischkonsum.
Die aktuelle Marktanalyse ergab, dass es ein grosses Angebot auf den Schlachtschweine- und Schafmärkten gibt. Deshalb war es richtig, für September keine Importe zum Vorzugszoll für Schweine- und Schaffleisch zu beantragen.
Sowohl der Rindfleisch- wie auch der Kälbermarkt präsentieren sich gesund. Die Kälberpreise steigen um 70 Rappen auf 14 Fr. für T3-Qualität auf von Proviande überwachten Märkten. Dieser Preis wird auch in den Schlachthöfen bezahlt. Beim Grossvieh weiss man nicht so recht, ob jetzt die Ruhe vor dem grossen Sturm herrscht. Man hört von Seiten des Milchmarktes, dass es offenbar 40000 zuviel Milchkühe in der Schweiz habe. Diese Kühe müssten weg, damit der Milchmarkt wieder ins Gleichgewicht komme. Das Ende der Exportsubventionen für Nutzvieh – letztes Jahr wurden rund 5800 Stück Nutzvieh exportiert – wirkt sich aus. Weil ohne die Subventionen heuer nur ein paar hundert Stück Nutzvieh exportiert werden, rätselt man, ob die unverkäuflichen Kühe und Rinder den Schlachtviehmarkt überschwemmen werden. Jedoch hängt vieles vom Wetter ab. So könnte ein Wetterumschlag bewirken, dass auf schlagartig alles Vieh von den Alpen abgezogen würde und es die Schlachthöfe überschwemmen würde. Im Moment sieht es allerdings gar nicht so aus, denn das Angebot auf den öffentlichen, von Proviande überwachten Schlachtviehmarkt ist leicht rückläufig.
Die Importanträge für den September waren den Umständen entsprechend massvoll. Proviande beantragt den Import von 250 t High-Quality-Beef Nierstücke, 400 t Verarbeitungskühe in ganzen oder halben Schlachtkörpern, 50 t geschnittene Rindsbinden und 75 t Kalbfleisch. Das restliche eingefrorene Kalb wird ausgelagert.
Jean-Claude Maillard, Landwirt und Verwaltungsrat Proviande, Prés-versèNorèaz FR
