Archiv Marktkommentare
Was ist nur mit dem Schweinemarkt los?
Kommentar in der Bauernzeitung vom 11. September 2009
Gesamtschweizerisch wurden in den Wochen 1-34 gerade mal 2.8 % (41'400 Stück) mehr Schweine geschlachtet. In der gleichen Zeitspanne sind innerhalb des Zollkontingentes 5'200 Tonnen (brutto) weniger importiert worden als im Vorjahr 2008, was eine gute Inlandwochenschlachtung von 55'000 Stück ausmacht.
Würde man zusätzlich noch die Importe ausserhalb des Zollkontingentes berücksichtigen, so wäre der Schweinefleischkonsum leicht rückläufig, insbesondere der Ausserhaushaltkonsum ist markant schlechter. Der Gastrokanal weicht auf günstige Fleischstücke sowie Importe von Geflügel und Rindern (Nierstücke) von Uebersee aus.
Wie wir alle Wissen, ist einerseits die schlechte Wirtschaftslage und andererseits die täglichen Schlagzeilen der Mexikogrippe nicht gerade förderlich für den Schweinefleischkonsum. Dazu kommt, dass Herr und Frau Schweizer sich bei dieser Rezession nicht unbedingt solidarisch zeigten und für die Ferien anstelle der etwas teureren Schweiz das nahe Ausland mit vorteilhaften Wechselkursen bevorzugten. Der letzte Preisabschlag von 20 Rappen muss möglichst schnell wieder nach oben korrigiert werden, dies bedingt jedoch, dass der Verbrauch wieder ansteigt. Mit den gestarteten Verkaufsaktionen auf breiter Front bin ich überzeugt, dass der Schlachtschweinemarkt wieder in Schwung kommt.
Kälbermarkt: Im ersten Semester dieses Jahres lagen die Schlachtungen etwa auf Vorjahresniveau. Trotzdem waren die Preise über Fr. 2.- tiefer als im Vorjahr. Warum? Lag es an der Wirtschaftskrise? Vermutlich schon, denn über 50 % der Schlachtkälber gelangen in den Gastrokanal, welcher sehr sensibel auf Konjunkturschwankungen reagiert.
Wenn die Zwetschgen blau werden, bekommen die Kälber goldene Klauen.
Dieser Spruch hat für einmal nicht gehalten was er verspricht. Die Milchpolitik im Frühling hat viele Milchbauern verunsichert und dazu bewogen, vermehrt auf den Betriebszweig Kälbermast zu setzen. Dies führte dazu, dass in den ersten acht Wochen im 3. Quartal rund 7 % mehr schlachtreife Kälber auf den Markt kamen. Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren war heuer der Kälbermarkt um diese Jahreszeit eher ausgeglichen. Was mich erstaunt, dass bei dieser Marktlage bereits schon Kalbfleisch ausgelagert wird.
Max Fehr
Geschäftsführer ASF Sursee