Archiv Marktkommentare
Der provozierende Abschlag auf Vorrat (Weihnachtsgeschäft) in der Woche 34 von 20 Rappen
Kommentar in der Bauernzeitung vom 4. September 2009
Wie kommt ein solch massiver Abschlag auf dem bekannt tiefen Preisniveau zustande? Wer zeichnet von den drei Grossabnehmern, Bell, Migros und fenaco, verantwortlich für diesen übermässigen nicht marktkonformen Abschlag von 20 Rappen?
Sucht der Produzent den oder die Verantwortlichen in dieser Frage, dann wird der Ball hin- und hergeschoben. Bekanntlich hat der Produzent drei- bis viermal pro Jahr einen 20-Rappen-Abschlag hinzunehmen. Bei guter Marktlage wäre ein 20-Rappen-Aufschlag ab und zu auch marktkonform, wird aber praktisch immer von den Grossabnehmern verwehrt.
Wo ist hier eine faire, partnerschaftliche Zusammenarbeit gegeben? Warum werden an der Ladenfront die massiven Abschläge nicht vollumfänglich und schnell weiter gegeben, mit dem Ziel einer sofortigen Belebung des Konsums? Warum macht sich die fenaco mit ihren Schlachthöfen für ihre Produzenten nie stark? Sind die Interessenkonflikte des Grossunternehmens fenaco der Grund? Sind nicht auch die Labelprogramme IPS und CNF gute Werkzeuge für übermässige Preisabschläge? Bei der heutigen Abnehmerkonstellation haben der Handel und die Produzenten bezüglich Preisverhandlungen kaum mehr Gewicht.
Bestens Beispiel dazu sind die Poulet-Produzenten. Eine Abhängigkeit vom Produzenten zum Handel und vom Handel zum Grossabnehmer ist je länger je mehr klare Tatsache. Müssten die Produzenten nicht wieder stärker und vermehrt unternehmerisches Handwerk an den Tag legen? Indem zum Beispiel in gewissen Situationen nicht geliefert wird, indem nicht einfach schlachtreife Tiere angemeldet sondern klar verkauft werden, indem im falschen Moment nicht Angstverkäufe getätigt werden.
Franz Hegglin,
Börsenpräsident Zentralschweiz