Archiv Marktkommentare
Es hat 12 000 Kühe zuviel
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Hans Rüssli, SBV
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Kommentar in der BauernZeitung vom 1. Mai 2009
Heute ist der 1. Mai 2009. An diesem historischen Tag werden die Milchbauern in der Schweiz in die lang ersehnte oder je nachdem lang befürchtete Milchmarkt-Freiheit entlassen. Ob das Ende der Milchkontingentierung für die Schweizer Milchviehhalter ein Vor- oder Nachteil sein wird, wird sich bald weisen.
Die Vorzeichen des freieren, aber nicht gesünderen Milchmarktes sind seit einer Woche auch preislich auf dem Kuhmarkt zu spüren, denn infolge des höheren Angebotes und der schwächeren Nachfrage sinken die Kuhpreise um 30 Rp. je kg Schlachtgewicht (SG) auf noch Fr. 6.30 bis Fr. 6.40 für T3 franko (Stand 30. April).
Es war schon bisher zu spüren, dass mehr Verarbeitungsvieh gechlachtet wird. Im ersten Quartal 2008 stieg das Kuhangebot gewichtsmässig um rund 22% an. Da der Markt schon längere Zeit zu knapp mit Kuhfleisch versorgt war und zur Ergänzung Kuhhälften importiert werden mussten, kürzte Proviande bei steigender Produktion die Kuhhälften-Importe.
Die Importe von Kuhhälften fielen bisher um 70% tiefer aus als in der gleichen Zeit 2008. Dank reduzierten Importen blieb schweizerische der Schlachtkuhpreis bis Mitte April stabil. Dass die Verbeiter sehr vorsichtig einkaufen, wenn die Preise fallen, ist eine alte Weisheit. Bei fallenden Preisen wird nur gerade der unmittelbare Bedarf eingekauft. Die Verarbeiter wollen wenn möglich das Risiko nicht eingehen, am Montag relativ teure Tiere einzukaufen, deren Fleisch am Freitag bereits weniger Wert ist.
Spätestens mit dem Beginn der Alpaufzüge Ende Mai wird voraussichtlich das Kuhangebot wieder sinken. Weil aber auf dem Milchmarkt noch ein paar Probleme gelöst werden müssen, braucht es bis im Herbst rund 12 000 Milchkühe weniger als heute. Bisher blieb der Fleischkonsum stabil trotz Reszession. Es ist zu hoffen, dass das weiterhin so bleibt, damit die 12 000 überschüssigen Kühe im Herbst Platz auf dem Fleischmarkt finden werden.
Hans Rüssli, SBV
