Praxis TIPP
Fliegen mit System bekämpfen
Konkrete Gefahr bei den Fliegen ist, dass sie über 60 verschiedene Krankheitserreger in oder auf sich tragen können. In erster Linie sind Fliegen aber Lästlinge, sowohl im Stall als auch in Wohnbereichen. Ein starker Fliegenbefall führt bei den Nutztieren zu Stress und Leistungsdepressionen und damit zu wirtschaftlichen Ausfällen. Mit einer konsequenten, professionellen Bekämpfung ist es aber möglich, das Problem in den Griff zu bekommen.
Frühzeitig beginnen
Fliegen können sich unter guten Bedingungen explosionsartig vermehren. Jährlich sind bis zu zehn Fliegengenerationen möglich. Während einer Wärmeperiode im April oder Mai kann in kurzer Zeit aus einer kleinen Fliegenpopulation eine echte Plage entstehen. Eine erfolgreiche Bekämpfung muss demnach unbedingt früh im Jahr beim Auftreten der ersten Fliegen beginnen. Konsequente Folgebehandlungen sind während der ganzen Saison fortzusetzen. Besonders wichtig ist dabei die stete Kombination von Larven- und Fliegenbekämpfung.
Larven und Fliegen kombiniert bekämpfen
Die erwachsenen Fliegen, welche wir als sichtbares Problem wahrnehmen, machen nur etwa 20 Prozent einer Gesamtpopulation aus. 80 Prozent einer Fliegenpopulation bestehen aus Eiern, Larven und Puppenstadien. Tausende Larven, auch Maden genannt, leben oft unbemerkt in Gülle und Mist und bilden ein enormes Nachlieferungspotential für neue Fliegen. In der warmen Jahreszeit schlüpfen in einem Stall permanent neue Fliegen. Um Fliegen nachhaltig zu kontrollieren, reicht es demnach nicht aus, nur die erwachsenen Fliegen zu bekämpfen. Vielmehr muss kombiniert gegen Larven und erwachsene Fliegen vorgegangen werden.
Stallhygiene mit Larvizid ergänzen
Stallhygiene ist das A und O. Futterreste sowie Mist und Gülle sind ideale Brutstätten für Fliegen. Aber auch in einem sauber gehaltenen Stall können nicht sämtliche Brutplätze eliminiert werden. Deshalb sollte die allgemeine Stallhygiene stets durch den Einsatz eines Schädlingsbekämpfungsmittels (Larvizid) ergänzt werden. Diese Produkte werden direkt auf die Fliegenbrutplätze ausgebracht und unterbrechen den Entwicklungszyklus der Fliegen, wodurch der Nachschub neuer Fliegen aus Mist, Gülle und Tiefstreu minimiert werden kann. Alternativ können auch Schlupfwespen zur Bekämpfung der Fliegenlarven eingesetzt werden.
Resistenzvorsorge beachten
Durch den schnellen Entwicklungszyklus und die enorme Anpassungsfähigkeit der Fliegen entstehen bei unsachgemässer Insektizidanwendung innert kürzester Zeit Resistenzen. Es ist daher unerlässlich zwischen Insektiziden aus verschiedenen Wirkstoffgruppen abzuwechseln und Unterdosierungen sind unbedingt zu vermeiden. Ködermittel sind den Spritzmitteln bei der Bekämpfung der gewöhnlichen Stallfliegen vorzuziehen, weil sie punkto Wirkungsdauer und Resistenzgefahr eindeutige Vorteile aufweisen.
Spritzmittel gegen Stechfliegen
Der Einsatz von Spritzmitteln sollte sich möglichst auf die Bekämpfung von Stechfliegen beschränken, welche meist erst im Spätsommer und hauptsächlich in Rindviehställen auftreten. Dies, weil sich Stechfliegen von Blut ernähren und sie von zuckerhaltigen Insektizidködern nicht angelockt und somit nicht bekämpft werden können.

Olivier Zumstein

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